Camille RochatVIEW PROFILE →
Ein Drittel unserer Kalorien: Warum ultraverarbeitete Lebensmittel die Schweiz krank machen
Sie sind praktisch, günstig und verführerisch, doch immer mehr Studien bringen ultraverarbeitete Lebensmittel mit schweren Krankheiten in Verbindung. Ein Blick auf ein wachsendes Schweizer Gesundheitsproblem.
Sie stehen in fast jedem Einkaufswagen: abgepackte Snacks, Softdrinks, Fertiggerichte und süsse Frühstücksflocken. Ultraverarbeitete Lebensmittel sind praktisch, günstig und oft unwiderstehlich im Geschmack. Doch hinter dieser Bequemlichkeit verbirgt sich ein wachsendes Gesundheitsproblem, das inzwischen auch die wohlhabende Schweiz mit voller Wucht erreicht hat.
Ein Drittel des Speiseplans
Das Ausmass ist beachtlich: In der Schweiz stammt bereits fast ein Drittel der täglich aufgenommenen Kalorien aus ultraverarbeiteten Produkten. Bei Kindern in Europa und Nordamerika sind es sogar 50 bis 60 Prozent. Gemeint sind damit industrielle Erzeugnisse, die mit Zusatzstoffen, Aromen und Emulgatoren weit von ihrem ursprünglichen, natürlichen Rohstoff entfernt sind.
Mehr als nur leere Kalorien
Lange galten solche Produkte vor allem als kalorienreich, doch die Forschung zeichnet inzwischen ein dunkleres Bild. Ein hoher Konsum wird mit Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und einer erhöhten Gesamtsterblichkeit in Verbindung gebracht. Eine kontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 zeigte sogar, dass die Schäden für Gewicht und Stoffwechsel auch dann auftreten, wenn gar nicht mehr Kalorien gegessen werden.
Warum sie so schädlich sind
Die Gründe liegen tiefer als im blossen Nährwert. Ultraverarbeitete Lebensmittel haben oft eine hohe Energiedichte und eine zerstörte Lebensmittelmatrix, wodurch man schneller und mehr isst. Hinzu kommen Zusatzstoffe, die die Darmflora beeinflussen können, sowie besonders schmackhafte Rezepturen, die das natürliche Sättigungsgefühl gezielt aushebeln und zum Weiteressen verleiten.
Was die Schweiz dagegen tut

Auf politischer und ernährungswissenschaftlicher Ebene wächst der Druck. So wurde der Nutri-Score, die farbige Nährwertkennzeichnung, 2026 in der Schweiz angepasst, um ultraverarbeitete Produkte deutlicher abzuwerten. Letztlich aber führt der Weg vor allem über die bewusste Rückkehr zu frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln, über das Lesen von Zutatenlisten und über das eigene Kochen.
Es geht dabei nicht darum, jedes Fertigprodukt zu verteufeln oder ein schlechtes Gewissen zu schüren. Entscheidend ist das Bewusstsein für das eigene Essverhalten. Schon kleine Verschiebungen hin zu mehr Gemüse, Obst und selbst zubereiteten Mahlzeiten können das persönliche Krankheitsrisiko spürbar senken, während gleichzeitig auch das gesamte Lebensmittelumfeld in die Verantwortung genommen werden muss.






