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Leere Regale in der Apotheke: Warum in der reichen Schweiz hunderte Medikamente fehlen
Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt und beherbergt grosse Pharmakonzerne. Umso überraschender ist ein Problem, das viele Patienten belastet: In den Apotheken fehlen hunderte gewöhnliche Medikamente. Rund 140 lebenswichtige Arzneimittel sind derzeit nicht verfügbar, über 700 nicht lie
Die Schweiz gilt als eines der reichsten Länder der Welt und beherbergt einige der grössten Pharmakonzerne überhaupt. Umso überraschender ist ein Problem, das den Alltag vieler Patientinnen und Patienten zunehmend belastet: In den Apotheken des Landes fehlen ausgerechnet hunderte ganz gewöhnliche und alltägliche Medikamente.
Ein Engpass mit alarmierenden Zahlen
Die aktuellen Zahlen sind durchaus alarmierend und geben zu denken. Derzeit sind in der Schweiz rund 140 als lebenswichtig eingestufte Arzneimittel schlicht nicht verfügbar. Und die Gesamtbilanz fällt sogar noch ernüchternder aus: Über 700 Medikamente sind im Moment gar nicht oder nur eingeschränkt lieferbar.
Betroffen ist dabei eine erstaunlich breite Palette an Präparaten. Die Lücken reichen von einfachen, alltäglichen Schmerzmitteln über wichtige Antibiotika bis hin zu speziellen Arzneien, die für komplexe und oft geradezu lebensnotwendige Therapien dringend benötigt werden.
Vor allem die günstigen Mittel fehlen

Besonders tückisch ist die Frage, welche Medikamente hauptsächlich betroffen sind. Es handelt sich vor allem um günstige und sehr häufig genutzte Arzneimittel, also gerade um jene Mittel, auf die ein grosser Teil der Bevölkerung im Alltag regelmässig und ganz selbstverständlich angewiesen ist.
Dazu zählen etwa gängige Antibiotika, aber auch zahlreiche Medikamente gegen chronische Erkrankungen. Menschen, die an Epilepsie, an Parkinson oder an psychischen Leiden erkrankt sind, spüren die Engpässe daher besonders direkt und mitunter auch auf sehr schmerzhafte Weise im eigenen Leben.
Für diese Patientengruppen ist ein Lieferengpass weit mehr als nur ein blosses Ärgernis. Wer auf ein bestimmtes, oft mühsam fein eingestelltes Medikament angewiesen ist, kann nämlich nicht einfach beliebig auf ein anderes Präparat wechseln, ohne dabei erhebliche gesundheitliche Risiken einzugehen.
Warum die Regale leer bleiben
Doch wie kann es überhaupt sein, dass ein derart wohlhabendes Land wie die Schweiz seine eigene Bevölkerung nicht zuverlässig mit einfachen Tabletten versorgen kann? Die Ursachen dafür sind vielfältig und liegen zum allergrössten Teil weit ausserhalb der Landesgrenzen.
Ein zentrales Kernproblem ist die enorme Abhängigkeit von der Produktion der eigentlichen Wirkstoffe. Ein sehr grosser Teil dieser Grundsubstanzen wird heute in Fernost hergestellt, wodurch die weltweiten Lieferketten lang, verletzlich und äusserst anfällig für Störungen aller Art geworden sind.
Fällt an einem einzigen Punkt dieser weit verzweigten Kette etwas aus, etwa durch Produktionsprobleme, politische Spannungen oder Qualitätsmängel, kann sich das rasch bis in die Schweizer Apotheken durchschlagen. Gerade bei billigen Medikamenten fehlen zudem oft die wirtschaftlichen Anreize für eine breit abgestützte Produktion.
Was der Bund unternimmt
Angesichts der zunehmend angespannten Lage hat die Politik inzwischen reagiert. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. März 2026 einen umfassenden Ansatz verabschiedet, mit dem die Versorgung mit Medikamenten in der ganzen Schweiz spürbar gestärkt werden soll.
Konkret geht es darum, die aktuelle Versorgungslage künftig besser zu überwachen und gleichzeitig die Einfuhr, die Produktion sowie den Marktzugang für Arzneimittel der Grundversorgung deutlich zu erleichtern. Ziel ist es, das gesamte System widerstandsfähiger und spürbar weniger krisenanfällig zu machen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, kurz BWL. Es überwacht die Versorgungslage bei lebenswichtigen Gütern und meldet auftretende Engpässe. Bis Ende 2026 soll die Schweiz zudem damit beginnen, sämtliche zugelassenen Arzneimittel in verschiedene Kategorien einzuteilen.
Ob diese Massnahmen am Ende ausreichen werden, um die leeren Regale dauerhaft wieder zu füllen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen müssen. Klar ist aber schon jetzt: Die zuverlässige Versorgung mit einfachen Medikamenten ist selbst für ein reiches Land wie die Schweiz keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine echte Herausforderung.






