Camille RochatVIEW PROFILE →
Nichtübertragbare Krankheiten kosten die Schweiz 65,7 Milliarden Franken pro Jahr
Eine im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit erstellte Studie zeigt die enormen Kosten nichtübertragbarer Krankheiten in der Schweiz. Sie verursachen rund 72 Prozent der gesamten Gesundheitskosten, wobei Übergewicht und Bewegungsmangel eine zentrale Rolle spielen.
Chronische, nichtübertragbare Krankheiten stellen das schweizerische Gesundheitssystem vor eine gewaltige finanzielle Herausforderung. Eine umfangreiche Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit erstellt wurde, beziffert nun die enormen Kosten, die durch diese Leiden verursacht werden. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark Krankheiten wie Demenz, Krebs oder Herzleiden auf den Kosten lasten.
65,7 Milliarden Franken pro Jahr
Die zentrale Zahl der Untersuchung ist beeindruckend und alarmierend zugleich. Die nichtübertragbaren Krankheiten verursachen in der Schweiz jährliche Gesundheitskosten in Höhe von rund 65,7 Milliarden Franken. Damit machen sie etwa 72 Prozent der gesamten Gesundheitskosten des Landes aus, welche sich im Jahr 2022 auf insgesamt 91,5 Milliarden Franken beliefen. Es handelt sich also um den mit Abstand grössten Kostenblock.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung dieser Kosten über die Zeit. Die Studie analysierte die Jahre 2012, 2017 und 2022, um eine klare Tendenz aufzuzeigen. Innerhalb dieses Jahrzehnts sind die gesamten Gesundheitskosten der Schweiz um satte 37 Prozent angestiegen, nämlich von 66,6 Milliarden Franken im Jahr 2012 auf die erwähnten 91,5 Milliarden Franken im Jahr 2022, ein Anstieg mit erheblichen Folgen.
Die teuersten Krankheitsgruppen

Die Untersuchung schlüsselt auch auf, welche Krankheitsgruppen die höchsten Kosten verursachen. An der Spitze stehen die neurologischen Erkrankungen mit einem Anteil von 10,8 Prozent, wobei hier insbesondere die Demenz ins Gewicht fällt. Dicht dahinter folgen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die psychischen Erkrankungen, die jeweils einen Anteil von 10,4 Prozent an den Gesundheitskosten ausmachen.
Auch weitere Krankheitsbilder tragen erheblich zur Kostenlast bei. Die Erkrankungen des Bewegungsapparats verursachen rund 10 Prozent der Kosten, während auf Krebserkrankungen ein Anteil von 6,9 Prozent entfällt. Diese Aufschlüsselung zeigt deutlich, dass es sich um ein breites Spektrum an chronischen Leiden handelt, die zusammengenommen eine immense Belastung für das gesamte System darstellen.
Die volkswirtschaftliche Dimension
Betrachtet man das Problem aus einer breiteren volkswirtschaftlichen Perspektive, so werden die Zahlen noch dramatischer. Rechnet man zu den reinen Gesundheitskosten auch die Produktivitätsverluste hinzu, so summiert sich die gesamte wirtschaftliche Belastung auf rund 109 Milliarden Franken pro Jahr. Dies entspricht einem beachtlichen Anteil von etwa 14 Prozent des schweizerischen Bruttoinlandsprodukts.
Bei den Produktivitätsverlusten zeigt sich ein etwas anderes Bild als bei den reinen Behandlungskosten. Hier stehen die Erkrankungen des Bewegungsapparats mit einem Anteil von 17,1 Prozent an erster Stelle. Knapp dahinter folgen die psychischen Erkrankungen, die für 16,9 Prozent der Produktivitätsverluste verantwortlich sind, was ihre grosse Bedeutung für die Arbeitswelt unterstreicht.
Übergewicht und Bewegungsmangel
Ein zentraler und zugleich beeinflussbarer Risikofaktor ist der Lebensstil. Bewegungsmangel, Übergewicht und Adipositas allein verursachten im Jahr 2022 Folgekrankheiten, die sich mit rund 5,4 Milliarden Franken auf die Gesundheitskosten auswirkten. Zu den teuersten Folgeerscheinungen zählen dabei der Diabetes vom Typ 2, der Bluthochdruck sowie Erkrankungen wie die Arthrose, die aus dem Übergewicht resultieren können.
Die Verbreitung von Übergewicht in der Bevölkerung ist erheblich. Gemäss den verfügbaren Daten leiden 12,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung über 15 Jahren an Adipositas, was medizinisch bei einem Körpermassenindex über 30 definiert wird. Auffällig ist zudem, dass Männer deutlich stärker von Übergewicht betroffen sind als Frauen, während bei den 6- bis 12-jährigen Kindern 2,7 Prozent als adipös gelten.
Darüber hinaus zeigt sich beim Thema Übergewicht eine deutliche soziale Komponente. Menschen mit einem tieferen Bildungsniveau oder einem Migrationshintergrund sind laut den Daten überdurchschnittlich häufig von Übergewicht und Adipositas betroffen. Diese Erkenntnis ist für die Gesundheitspolitik von grosser Bedeutung, da sie zeigt, dass Präventionsmassnahmen gezielt auf bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgerichtet werden müssen, um wirksam zu sein.
Prävention als Schlüssel zur Lösung
Angesichts dieser Zahlen rückt die Prävention immer stärker in den Fokus der Gesundheitspolitik. Da viele dieser Risikofaktoren durch Änderungen des Lebensstils beeinflussbar sind, liegt hier ein enormes Potenzial. Ein gesunder Lebensstil, der ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und erholsamen Schlaf umfasst, gilt als wirksamster Schutz, wobei der Prävention in allen Lebensphasen, besonders in der Kindheit, grosse Bedeutung zukommt.
Die Aussagekraft der Studie wird durch ihre solide wissenschaftliche Grundlage untermauert. Sie wurde vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegeben und von renommierten Institutionen durchgeführt, nämlich der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Universität Luzern sowie der Pädagogischen Hochschule Bern. Die Erkenntnisse liefern eine wichtige Grundlage für die künftige Ausrichtung der Präventionsbemühungen im Land.






