Camille RochatVIEW PROFILE →
Die neue Schweizer Ernährungsstrategie 2025 bis 2032: Gesundheit, pflanzliche Ernährung und weniger Foodwaste
Die Schweiz setzt mit ihrer neuen Ernährungsstrategie für die Jahre 2025 bis 2032 auf eine ausgewogene Ernährung, mehr pflanzliche Kost und weniger Lebensmittelverschwendung. Das federführende Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen verfolgt sechs Ziele, um nichtübertragbaren Krankhe
Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung einer gesunden und nachhaltigen Ernährung zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Gesundheitspolitik gerückt. Mit der neuen Schweizer Ernährungsstrategie, die den Zeitraum von 2025 bis 2032 abdeckt, verfolgt das Land einen langfristigen und umfassenden Ansatz. Ziel ist es, die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zur Vorbeugung von Krankheiten sowie zum Schutz der Umwelt zu leisten.
Eine Strategie mit langfristigem Horizont
Für die Umsetzung der Strategie ist das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen verantwortlich, das die einzelnen Massnahmen koordiniert und begleitet. Die Strategie ist auf einen Zeithorizont von 2025 bis 2032 ausgelegt, während der dazugehörige Aktionsplan zunächst die Jahre 2025 bis 2028 umfasst. Diese gestaffelte Vorgehensweise erlaubt es, konkrete Schritte einzuleiten und deren Wirkung zu einem späteren Zeitpunkt sorgfältig zu überprüfen.
Ein zentrales Anliegen der Strategie ist die Vorbeugung sogenannter nichtübertragbarer Krankheiten. Dazu zählen unter anderem Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufig mit der Ernährungsweise in Zusammenhang stehen. Indem die Strategie an den Essgewohnheiten ansetzt, sollen die Grundlagen für ein gesünderes Leben gelegt und die Belastung des Gesundheitssystems langfristig verringert werden.
Sechs strategische Ziele
Die Ernährungsstrategie stützt sich auf insgesamt sechs strategische Ziele, die gemeinsam ein umfassendes Bild ergeben. Das erste Ziel besteht darin, eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit einer ausreichenden Zufuhr an Nährstoffen zu fördern. Damit soll sichergestellt werden, dass die Bevölkerung die für den Körper notwendigen Bestandteile in geeigneter Menge und Qualität zu sich nimmt und Mangelerscheinungen vermieden werden.
Ein weiteres Ziel ist die Stärkung der sogenannten Ernährungskompetenz in der Bevölkerung. Die Menschen sollen befähigt werden, fundierte und selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Ernährung zu treffen. Darüber hinaus setzt die Strategie einen deutlichen Schwerpunkt auf die Förderung einer stärker pflanzlich ausgerichteten Ernährung, die sowohl der Gesundheit als auch der ökologischen Nachhaltigkeit zugutekommen soll.
Die verbleibenden Ziele richten sich auf das Umfeld, in dem Ernährungsentscheidungen getroffen werden. So sollen die Akteure der Lebensmittelbranche stärker eingebunden und förderliche Rahmenbedingungen für eine gesunde Ernährung geschaffen werden. Nicht zuletzt zählt die Verringerung der Lebensmittelverschwendung zu den erklärten Zielen, da ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.
Vier Handlungsfelder des Aktionsplans

Damit die formulierten Ziele nicht bei blossen Absichtserklärungen bleiben, sieht der Aktionsplan vier konkrete Handlungsfelder vor. Das erste betrifft Information und Bildung, denn nur wer über ausreichendes Wissen verfügt, kann seine Ernährung bewusst gestalten. Aufklärungskampagnen, Bildungsangebote und verständliche Informationen sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung in allen Bevölkerungsgruppen zu schärfen.
Ein zweites Handlungsfeld umfasst die rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Rahmen für das Handeln von Wirtschaft und Konsumenten setzen. Das dritte Feld widmet sich der Koordination und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren, denn eine erfolgreiche Ernährungspolitik erfordert das Zusammenspiel von Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Nur so lassen sich die gesteckten Ziele wirkungsvoll erreichen.
Das vierte Handlungsfeld schliesslich betrifft das Monitoring sowie die Forschung. Um beurteilen zu können, ob die ergriffenen Massnahmen tatsächlich Wirkung zeigen, ist eine kontinuierliche Beobachtung der Entwicklung unerlässlich. Vorgesehen ist, dass die Massnahmen nach vier Jahren, also zur Halbzeit der Strategie, überprüft und an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. So bleibt die Strategie flexibel und kann auf neue Erkenntnisse reagieren.
Gesundheit, Nachhaltigkeit und Chancengleichheit
Ein bemerkenswerter Aspekt der Schweizer Ernährungsstrategie ist die enge Verbindung zwischen Gesundheit und Nachhaltigkeit. Die Strategie geht davon aus, dass die Ernährung nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden des einzelnen Menschen beeinflusst, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Eine stärker pflanzlich ausgerichtete Ernährung und ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln werden daher als doppelter Gewinn betrachtet.
Ebenso wichtig ist der Strategie der Grundsatz der Chancengleichheit. Der Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung soll allen Bevölkerungsgruppen offenstehen, unabhängig von Bildung, Geschlecht, Alter, Kultur, Sprache oder sozialer und wirtschaftlicher Stellung. Damit wird anerkannt, dass gesunde Ernährung keine Frage des Einkommens oder der Herkunft sein darf, sondern ein gemeinsames Anliegen der gesamten Gesellschaft darstellt.
Dieser umfassende Ansatz zeigt, dass die Schweiz Ernährung nicht als rein individuelle Angelegenheit versteht, sondern als gesellschaftliche Aufgabe. Statt allein an die Eigenverantwortung der Konsumenten zu appellieren, versucht die Strategie, die Voraussetzungen zu verbessern, unter denen Ernährungsentscheidungen getroffen werden. Diese Sichtweise entspricht einem modernen Verständnis von Prävention, das strukturelle und individuelle Faktoren miteinander verbindet.
Insgesamt stellt die Schweizer Ernährungsstrategie für die Jahre 2025 bis 2032 einen ambitionierten Fahrplan dar, der gesundheitliche, ökologische und soziale Ziele miteinander verknüpft. Ihr Erfolg wird nicht zuletzt davon abhängen, wie konsequent die vorgesehenen Massnahmen umgesetzt und von den verschiedenen Akteuren mitgetragen werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwieweit sich diese Absichten in spürbare Verbesserungen der Ernährungssituation übersetzen lassen.






