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Stiller Zuckerabbau: Wie die Schweiz mit der Erklärung von Mailand den Zucker aus Joghurt und Müesli holt

health2026-09-01 · 3 min read · 1 reads

Frühstückscerealien fast 40 Prozent weniger Zucker, Joghurt rund 13 Prozent: Mit der freiwilligen Erklärung von Mailand senkt die Schweizer Lebensmittelbranche seit 2015 den Zuckergehalt. 21 Firmen setzen nun neue Ziele bis 2028.

Zucker versteckt sich oft genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten. Selbst in Lebensmitteln, die als gesund gelten, etwa im Frühstücksjoghurt oder in den knusprigen Cerealien, steckt häufig eine überraschend grosse Menge zugesetzter Zucker, ohne dass es den meisten Konsumentinnen und Konsumenten bewusst wäre.

In der Schweiz versucht man diesem Problem seit einigen Jahren mit einem besonderen Ansatz zu begegnen. Statt auf strenge Verbote setzt das Land auf die freiwillige Mitarbeit der Industrie. Doch wie gut funktioniert dieser typisch schweizerische Weg wirklich? Ein genauer Blick auf die aktuellen Zahlen lohnt sich durchaus.

Was ist die Erklärung von Mailand?

Im Zentrum dieser Bemühungen steht die sogenannte Erklärung von Mailand. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Verpflichtung von Schweizer Lebensmittelherstellern und Detailhändlern, den Zuckergehalt in ihren Produkten schrittweise zu senken. Das ehrgeizige Programm läuft bereits seit dem Jahr 2015.

Überwacht wird der Fortschritt vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Konkret haben sich die Beteiligten auf fünf Produktgruppen konzentriert, nämlich auf Joghurt, Quark, Frühstückscerealien, Süssgetränke sowie auf verschiedene Milchmischgetränke, die alle im Alltag ausgesprochen beliebt sind.

Beachtliche Erfolge

Joghurt und Müesli gelten als gesund, enthalten aber oft überraschend viel zugesetzten Zucker.
Joghurt und Müesli gelten als gesund, enthalten aber oft überraschend viel zugesetzten Zucker.

Und die grossen Anstrengungen zeigen durchaus Wirkung. Nach Angaben der Behörde konnte der Zuckergehalt in den Frühstückscerealien seit Programmstart um fast 40 Prozent gesenkt werden, was einen bemerkenswert hohen Wert darstellt und zugleich die grösste Reduktion aller untersuchten Kategorien bedeutet.

Auch in den anderen Gruppen gab es spürbare Fortschritte. Bei den Joghurts sank der Zucker um rund 13 Prozent, beim Quark um etwa 10 Prozent. Bei den Milchmischgetränken lag die Reduktion bei gut 14 Prozent und bei den Süssgetränken immerhin bei gut 13 Prozent, wie die entsprechende Erhebung zeigt.

Die nächste Etappe bis 2028

Damit soll aber noch längst nicht Schluss sein. Wie berichtet wird, haben sich inzwischen 21 Unternehmen zu weiteren, verbindlichen Zielen verpflichtet. So soll der zugesetzte Zucker in Quark, Cerealien und Milchmischgetränken bis Ende 2028 um zusätzliche 10 Prozent sinken, bei den Joghurts um weitere 5 Prozent.

Der Weg ist allerdings nicht ganz frei von Rückschlägen. Den Angaben zufolge sind drei Firmen aus dem Programm ausgeschieden, darunter ein Unternehmen infolge eines Konkurses. Ob die neuen Ziele erreicht werden, will die zuständige Behörde am Ende des Jahres 2028 noch einmal sorgfältig überprüfen.

Warum das so wichtig ist

Dass solche Massnahmen dringend nötig sind, verdeutlicht ein einziger, ernüchternder Wert. Laut den vorliegenden Informationen konsumiert die Schweizer Bevölkerung im Durchschnitt rund 100 Gramm Zucker pro Tag, was etwa 25 Würfelzucker entspricht und damit doppelt so viel ist, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.

Ein derart hoher Zuckerkonsum bleibt selten ohne Folgen für die Gesundheit. Fachleute bringen ihn immer wieder mit Problemen wie Übergewicht, Karies und einem erhöhten Risiko für verschiedene chronische Krankheiten in Verbindung, weshalb eine Senkung des durchschnittlichen Konsums als sehr sinnvolles Ziel gilt.

Die Grenzen der Freiwilligkeit

So erfreulich die Fortschritte beim Zucker sind, so deutlich zeigt sich doch auch die Kehrseite des freiwilligen Ansatzes. Ein anschauliches Beispiel liefert das Thema Salz, denn hier hat sich den Berichten zufolge einzig ein einziger Detailhändler zu einer entsprechenden Reduktion verpflichtet.

Dieses Ungleichgewicht wirft eine grundsätzliche Frage auf. Ohne verbindliche gesetzliche Vorgaben bleibt es letztlich dem guten Willen der einzelnen Firmen überlassen, ob und wie stark sie ihre Rezepturen anpassen, was den Erfolg solcher Programme naturgemäss unsicher und ungleichmässig machen kann.

Was Sie selbst tun können

Unabhängig von den Bemühungen der Industrie hat aber auch jede und jeder Einzelne eine gewisse Kontrolle. Ein prüfender Blick auf die Zutatenliste hilft oft weiter, und wer zu Naturjoghurt greift und dieses selbst mit frischen Früchten süsst, spart im Vergleich zu fertigen Produkten erstaunlich viel Zucker ein.

Am Ende bleibt die Erklärung von Mailand ein spannendes Experiment mit durchaus sichtbaren Erfolgen. Ob die Schweiz ihre süsse Last allein auf freiwilliger Basis dauerhaft in den Griff bekommt, werden die kommenden Jahre und die grosse Überprüfung im Jahr 2028 zeigen müssen.

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