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Das gescheiterte Versprechen: Warum kaum jemand in der Schweiz ein elektronisches Patientendossier hat

health2026-08-27 · 3 min read · 26 reads

Es sollte die Schweizer Medizin ins digitale Zeitalter führen, doch nur rund 125'000 Menschen nutzen das elektronische Patientendossier. Nun schliesst die Post ihre Plattform , und das ganze System soll grundlegend umgebaut werden.

Es war als grosser Wurf gedacht, als Eintritt der Schweizer Medizin ins digitale Zeitalter. Das elektronische Patientendossier sollte dafür sorgen, dass wichtige Gesundheitsinformationen jederzeit sicher und griffbereit sind, egal ob beim Hausarzt, im Spital oder in der Apotheke. Doch die Realität sieht ernüchternd anders aus.

Ein digitales Angebot, das kaum jemand nutzt

Die vielleicht deutlichste Zahl in dieser Geschichte ist die der Nutzer. Trotz jahrelanger Bemühungen und politischer Ankündigungen besitzen aktuell nur rund 125'000 Menschen in der ganzen Schweiz ein solches elektronisches Patientendossier, ein verschwindend kleiner Anteil der Bevölkerung, der das Ausmass des Problems schonungslos offenlegt.

Für ein Land, das sich gern als innovativ und technologisch fortschrittlich versteht, ist das ein ernüchterndes Ergebnis. Während in anderen Lebensbereichen längst alles per App und Klick funktioniert, bleibt ausgerechnet die persönliche Krankengeschichte für die allermeisten Menschen hierzulande ein analoges Sammelsurium aus Papier, Faxen und einzelnen Arztberichten.

Das gescheiterte Versprechen: Warum kaum jemand in der Schweiz ein elektronisches Patientendossier hat

Die Post zieht sich zurück

Nun kommt Bewegung in die festgefahrene Lage, allerdings nicht die Art von Bewegung, die man sich erhofft hatte. Die Post, einer der Anbieter der technischen Plattform für das Patientendossier, schliesst dieses Angebot und beendet damit ihr Engagement in einem Feld, das sich für viele Beteiligte als schwierig und wenig lohnend erwiesen hat.

Für die bestehenden Nutzerinnen und Nutzer besteht immerhin kein Grund zur Panik, denn die aktuelle Plattform kann noch bis Ende 2026 verwendet werden. Der Rückzug eines solch grossen und etablierten Akteurs wirft jedoch ein grelles Licht auf die grundsätzlichen Schwächen des ganzen Vorhabens und seine ungewisse Zukunft.

Warum das Projekt ins Stocken geriet

Die Gründe für das schleppende Vorankommen sind vielfältig und hängen eng miteinander zusammen. Für die Bürgerinnen und Bürger war die Eröffnung eines Dossiers lange umständlich und der konkrete Nutzen im Alltag oft nicht unmittelbar spürbar, was die Motivation, sich überhaupt damit zu befassen, spürbar dämpfte.

Auch auf Seiten der Fachwelt hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Verschiedene Medienberichte haben in der Vergangenheit kritisiert, dass Institutionen wie Spitäler und Heime für ein System zahlen mussten, dessen praktischer Mehrwert umstritten blieb, während die Zahl der tatsächlich verknüpften Dokumente überschaubar war.

So entstand ein Teufelskreis, wie man ihn aus vielen gescheiterten Digitalprojekten kennt. Weil kaum jemand das Dossier nutzte, lohnte sich der Aufwand für die Anbieter kaum, und weil das Angebot dünn blieb, sahen wiederum die Menschen wenig Anlass, sich überhaupt zu registrieren, ein Kreislauf, der sich selbst blockierte.

Der Neustart als Gesundheitsdossier

Aufgeben will die Politik die Idee einer digitalen Krankengeschichte trotz allem nicht, denn der Grundgedanke bleibt überzeugend. Deshalb soll das bisherige elektronische Patientendossier mittels einer Revision grundlegend weiterentwickelt und in ein sogenanntes elektronisches Gesundheitsdossier überführt werden, das die Fehler der Vergangenheit ausbügeln soll.

Mit diesem Neustart verbindet sich die Hoffnung auf ein System, das einfacher zugänglich ist, sich nahtloser in den Behandlungsalltag einfügt und für Patienten wie Fachpersonen einen echten, spürbaren Nutzen bringt. Ob dieser zweite Anlauf gelingt, wird massgeblich davon abhängen, ob man die Lehren aus dem ersten Scheitern wirklich beherzigt.

Was auf dem Spiel steht

Dabei geht es um weit mehr als um technische Bequemlichkeit. Eine gut geführte digitale Krankengeschichte kann helfen, gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten zu vermeiden, unnötige Doppeluntersuchungen zu verhindern und im Notfall lebenswichtige Informationen sofort verfügbar zu machen, was im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann.

Das Beispiel des Patientendossiers zeigt exemplarisch, wie anspruchsvoll die Digitalisierung des Gesundheitswesens tatsächlich ist. Gute Absichten und moderne Technik allein genügen nicht; entscheidend ist, ob ein System das Vertrauen der Menschen gewinnt und ihnen im Alltag wirklich das Leben erleichtert, statt nur eine weitere leere Hülle zu bleiben.

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