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Die Tigermücke ist da: Wie sich die Schweiz gegen neue, von Mücken übertragene Krankheiten wappnet

health2026-08-17 · 3 min read · 448 reads

Die Asiatische Tigermücke hat sich in Teilen der Schweiz etabliert und mit ihr die Sorge vor tropischen Krankheiten. Im Tessin wurde 2025 der erste im Land erworbene Fall von West-Nil-Fieber bestätigt. Wie Behörden und Bevölkerung reagieren.

Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter in der Schweiz, sondern auch die Tierwelt, und das bringt neue gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Immer wärmere Sommer schaffen ideale Bedingungen für Insekten, die früher nur in südlicheren Regionen heimisch waren. Besonders eine Art rückt dabei in den Fokus der Fachleute. Die Asiatische Tigermücke hat sich inzwischen in Teilen der Schweiz festgesetzt und stellt das Gesundheitssystem vor neue Fragen.

Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt, dass die Tigermücke, wissenschaftlich Aedes albopictus, bereits in mehreren Gebieten der Schweiz vorkommt. Das Problem an diesem kleinen Insekt ist nicht der Stich an sich, sondern das, was es potenziell übertragen kann. Die Tigermücke gilt als möglicher Überträger von Viren wie Dengue, Chikungunya und Zika. Krankheiten also, die man bislang vor allem aus tropischen Reiseländern kannte.

Die gute Nachricht vorweg: In der Schweiz wurden bisher keine im Land selbst erworbenen Fälle von Dengue, Chikungunya oder Zika gemeldet. Das bedeutet, dass sich bislang niemand innerhalb der Landesgrenzen mit diesen Viren angesteckt hat. Die Behörden warnen jedoch, dass eingeschleppte Infektionen von Reisenden theoretisch zu weiteren Übertragungen vor Ort führen könnten. Genau darin liegt das Risiko, das es zu beobachten gilt.

West-Nil-Virus im Tessin

Ein anderes von Mücken übertragenes Virus hat die Schweiz allerdings bereits erreicht. Im Kanton Tessin wurde 2025 der erste im Land erworbene menschliche Fall von West-Nil-Fieber bestätigt. Das ist ein bedeutender Einschnitt, denn es zeigt, dass eine solche Übertragung auf Schweizer Boden nicht länger nur ein theoretisches Szenario ist. Der südlichste Kanton des Landes steht dabei klimatisch besonders im Fokus.

Wichtig ist die Unterscheidung bei der Übertragung. Das West-Nil-Virus wird nicht von der Tigermücke, sondern von einheimischen Stechmücken der Gattung Culex übertragen. Ausserdem wird das Virus nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern gelangt über den Stich einer infizierten Mücke in den Körper. Bei den meisten Menschen verläuft eine Infektion mild oder sogar ohne Symptome, in seltenen Fällen kann sie jedoch schwerer ausfallen.

Im Kanton Tessin wurde 2025 der erste in der Schweiz selbst erworbene menschliche Fall von West-Nil-Fieber bestätigt.

Die Antwort der Behörden

Die Asiatische Tigermücke brütet bevorzugt in kleinen Wasseransammlungen, weshalb das Entfernen von stehendem Wasser als wirksamste Vorbeugung gilt.
Die Asiatische Tigermücke brütet bevorzugt in kleinen Wasseransammlungen, weshalb das Entfernen von stehendem Wasser als wirksamste Vorbeugung gilt.

Die Schweiz begegnet dieser Entwicklung mit einem koordinierten Ansatz. Bund, Kantone und spezialisierte Fachstellen arbeiten im Rahmen des sogenannten One-Health-Ansatzes zusammen. Dieser verbindet die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, um Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Ein solches Überwachungsnetz ist entscheidend, um auf neue Bedrohungen rasch reagieren zu können.

Neben der Überwachung wird auch aktiv an der Eindämmung der Tigermücke geforscht. In der Schweiz wurde die sogenannte sterile Insektentechnik erprobt, bei der im Labor sterilisierte männliche Mücken freigelassen werden. Ein kleiner Feldversuch fand 2023 in Morcote im Tessin statt, eingebettet in ein integriertes Bekämpfungsprogramm, das auch das Entfernen von Brutstätten und den Einsatz biologischer Larvenmittel umfasst.

Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie clever. Die freigelassenen sterilen Männchen paaren sich mit den Weibchen in freier Wildbahn, doch aus diesen Verbindungen entsteht kein Nachwuchs. Auf diese Weise soll die Population der Tigermücke über die Zeit schrumpfen. Ähnliche Programme werden derzeit auch in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Griechenland getestet, was zeigt, dass es sich um eine kontinentweite Herausforderung handelt.

Was jeder tun kann

Der wirksamste Beitrag beginnt jedoch im eigenen Garten und auf dem eigenen Balkon. Die Tigermücke brütet bevorzugt in kleinen Ansammlungen von stehendem Wasser, etwa in Blumenuntersetzern, Giesskannen, Regentonnen oder verstopften Dachrinnen. Wer solche Wasserstellen regelmässig leert und trocken hält, entzieht der Mücke ihre Brutgrundlage. Dieser einfache Schritt gilt als eine der wirksamsten Vorbeugemassnahmen überhaupt.

Zum persönlichen Schutz empfehlen die Fachstellen bewährte Mittel. Dazu gehören Insektenschutzmittel auf der Haut, lange und möglichst helle Kleidung sowie Fliegengitter an Fenstern und Türen. Da die Tigermücke anders als viele einheimische Arten vor allem tagsüber sticht, reicht der Schutz in der Nacht allein nicht aus. Gerade in den warmen Sommermonaten lohnt sich deshalb erhöhte Aufmerksamkeit.

Wer nach einer Reise in tropische oder subtropische Gebiete Fieber, Hautausschlag oder Gelenkschmerzen entwickelt, sollte ärztlichen Rat suchen und den Aufenthalt erwähnen. Insgesamt zeigt die Ausbreitung der Tigermücke, dass der Klimawandel längst konkrete Folgen für die Gesundheit in der Schweiz hat. Mit wachsamer Überwachung, gezielter Bekämpfung und einfachen Massnahmen im Alltag lässt sich das Risiko jedoch deutlich begrenzen.

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