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Gemeinsam gesünder: Was der Präventionsradar 2026 über Freundschaft und Gesundheit verrät

health2026-08-18 · 3 min read · 1 reads

Die neue Sanitas-Studie zeigt, wie stark enge Beziehungen das Wohlbefinden der Schweizer Bevölkerung prägen. Wer mehr nahe Menschen hat, schläft besser, bewegt sich mehr und ist weniger gestresst.

Kaum ein Thema beschäftigt das Schweizer Gesundheitswesen so sehr wie die Frage, wie Menschen länger gesund bleiben. Die Stiftung Sanitas liefert dazu mit ihrem Präventionsradar 2026 neue Zahlen, und diesmal steht ein Faktor im Zentrum, der oft unterschätzt wird, nämlich die Rolle enger sozialer Beziehungen für das körperliche und seelische Wohlbefinden.

Was die Studie untersucht hat

Für den Präventionsradar 2026 befragte das Marktforschungsinstitut intervista im Auftrag der Stiftung Sanitas 2037 Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren. Die Erhebung fand zwischen dem 20. und dem 29. Januar 2026 online statt und deckt die deutsch, französisch und italienischsprachige Schweiz ab, womit die Ergebnisse als repräsentativ für das ganze Land gelten.

Im Fokus der diesjährigen Ausgabe standen zwei Fragen, nämlich wie sich soziale Beziehungen auf das Gesundheitsverhalten auswirken und welche Rolle das Alter dabei spielt. Damit rückt die Studie einen Aspekt der Prävention ins Blickfeld, der in der öffentlichen Debatte über Bewegung, Ernährung und Vorsorge häufig zu kurz kommt.

Enge Beziehungen, weniger Stress

Wer gut vernetzt ist, beschreibt die eigene Ernährung laut Studie häufiger als gesund. Frische, pflanzenbetonte Mahlzeiten gelten als Baustein wirksamer Prävention.
Wer gut vernetzt ist, beschreibt die eigene Ernährung laut Studie häufiger als gesund. Frische, pflanzenbetonte Mahlzeiten gelten als Baustein wirksamer Prävention.

Das zentrale Ergebnis ist deutlich, denn Menschen mit mehr engen Bezugspersonen fühlen sich körperlich und psychisch zufriedener. Sie schlafen nach eigener Einschätzung besser, bewegen sich mehr, empfinden weniger Stress und beschreiben ihre eigene Ernährung als gesünder als Personen, die über weniger enge Kontakte verfügen.

Besonders auffällig ist die Schwelle bei sechs Bezugspersonen. Wer sechs oder mehr enge Menschen im Leben hat, erzielte in der Befragung durchgehend die höchsten Zufriedenheitswerte und zugleich die niedrigsten Stresswerte. Die Studie legt damit nahe, dass ein tragfähiges soziales Netz ähnlich wichtig sein kann wie klassische Gesundheitsfaktoren.

Dieser Zusammenhang zieht sich durch mehrere Lebensbereiche. Die Zufriedenheit mit der eigenen Fitness, der Ernährung und der Schlafqualität fällt bei gut vernetzten Personen spürbar höher aus. Soziale Bindungen wirken damit nicht nur auf die Stimmung, sondern auch auf ganz konkrete Gewohnheiten des Alltags, die langfristig über die Gesundheit mitentscheiden.

Gleichzeitig zeigt der Präventionsradar, dass Stress in der Schweiz weit verbreitet ist. Rund 31 Prozent der Befragten geben an, häufig gestresst zu sein. Der Befund unterstreicht, warum die Frage nach schützenden Faktoren wie stabilen Beziehungen und guten Erholungsphasen für die Prävention immer wichtiger wird.

Alter, Digitales und der Umgang mit Stress

Auch der Umgang mit digitalen Medien beeinflusst das Stressempfinden, und zwar in beide Richtungen. Rund die Hälfte der Befragten erlebt bewusste Offline-Pausen als stressmindernd. Etwa ein Viertel empfindet Gaming als entspannend, während ungefähr ein Viertel angibt, dass soziale Medien den eigenen Stress eher erhöhen.

Ein weiteres Ergebnis überrascht auf den ersten Blick, denn ältere Menschen schneiden beim Wohlbefinden besser ab. Personen über 60 Jahre berichten über eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Gesundheit und über weniger Stress als jüngere und mittelalte Erwachsene, obwohl das Alter oft mit mehr körperlichen Beschwerden verbunden ist.

Die Studie liefert auch mögliche Erklärungen für diesen Vorsprung. Menschen über 60 bewegen sich häufiger im Alltag in leichter Form, etwa beim Spazieren oder im Haushalt, und sie bereiten öfter frische Mahlzeiten selbst zu. Solche einfachen, regelmässigen Gewohnheiten gelten in der Prävention als besonders wirksam.

Wer trägt die Verantwortung?

Neben dem Verhalten untersuchte der Präventionsradar auch die Haltung der Bevölkerung zur Verantwortung. Eine klare Mehrheit von 80 Prozent ist überzeugt, dass in erster Linie jede Person selbst für die eigene Gesundheitsvorsorge zuständig ist. Prävention wird also stark als individuelle Aufgabe verstanden.

Bei den Kosten fällt das Bild anders aus. Nur 27 Prozent der Befragten sehen die finanzielle Verantwortung vor allem beim Einzelnen, während rund die Hälfte die Kosten eher bei den Krankenversicherern oder beim Staat verortet. Zwischen persönlicher Verantwortung und der Bereitschaft, dafür selbst zu zahlen, klafft somit eine Lücke.

Deutlich wird diese Spannung beim Thema Abnehmmedikamente. 59 Prozent der Befragten befürworten, dass die Kosten für Abnehmspritzen bei medizinischer Notwendigkeit solidarisch über die Grundversicherung getragen werden. Das Thema ist in der Schweiz zuletzt intensiv diskutiert worden, weil solche Präparate teuer sind.

Für sich selbst bleiben viele jedoch zurückhaltend. 78 Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, bei Gewichtsproblemen zu einer Abnehmspritze zu greifen. Die Skepsis gegenüber medikamentösen Lösungen ist damit gross, auch wenn die Bereitschaft besteht, sie im Ernstfall solidarisch zu finanzieren.

In der Summe zeichnet der Präventionsradar 2026 ein klares Bild, denn gute Beziehungen sind kein weicher Nebenfaktor, sondern ein messbarer Baustein der Gesundheit. Wer in Freundschaften, Familie und soziale Nähe investiert, tut damit laut den Daten auch etwas für Schlaf, Ernährung, Bewegung und ein niedrigeres Stressniveau.

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Camille Rochat
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